Was ist HIPAA?
HIPAA ist der Health Insurance Portability and Accountability Act von 1996, ein US-Bundesgesetz. Im Alltag meint man mit dem Namen «die Regeln zum Schutz von Gesundheitsdaten», und genau dieser Teil betrifft die meisten Software-Teams: HIPAA legt fest, wie Gesundheitsinformationen zu schützen sind, wer für ihren Schutz verantwortlich ist und was geschehen muss, wenn sie offengelegt werden.
Zuerst gilt es zu klären, was HIPAA nicht ist. Es ist keine Zertifizierung. Das US Department of Health and Human Services (HHS) stellt kein HIPAA-Zertifikat aus, und keine Behörde prüft Sie und bescheinigt Ihnen «compliant». Sie bestimmen Ihre Compliance gegenüber dem Gesetz selbst und müssen sie auf Anfrage nachweisen können. Wer Ihnen ein «HIPAA certified»-Siegel verkauft, verkauft seine eigene Bescheinigung, keine staatliche, und das Gesetz selbst kennt so etwas gar nicht.
Was es sehr wohl gibt, ist Durchsetzung. Das HHS Office for Civil Rights (OCR) untersucht Beschwerden, Audits und gemeldete Verstösse und kann zivilrechtliche Geldbussen verhängen. Die praktische Messlatte lautet also nicht «haben Sie eine Prüfung bestanden», sondern «könnten Sie, wenn die OCR hinschaut, zeigen, dass Sie das ernst nehmen und über die Schutzmassnahmen und Nachweise verfügen, um es zu belegen».
«Compliant» versus «certified»
Diese Begriffe werden lose verwendet, darum lohnt sich Präzision. Es gibt keine offizielle HIPAA-Zertifizierung, also kann ein Anbieter nicht wahrheitsgemäss behaupten, «HIPAA certified» zu sein, so wie man ISO 27001 zertifiziert sein kann. Was Organisationen tun können, ist HIPAA-compliant zu sein und das auch zu belegen: durch die richtigen Verträge abgedeckt, mit den verlangten Schutzmassnahmen im Betrieb und mit der Dokumentation, die das zeigt. Dritte bieten bisweilen eigene HIPAA-Bescheinigungen oder Schulungen an, die nützlich sein können, doch keine davon ist ein staatliches Zertifikat und keine ersetzt Ihre eigene gesetzliche Pflicht.