Was ist die NIS2-Richtlinie?
NIS2 ist die Richtlinie (EU) 2022/2555 — das Rahmenwerk der Europäischen Union für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der gesamten Union. Sie ersetzt die ursprüngliche Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit von 2016 (NIS1), die weit weniger Organisationen erfasste und grosse Unterschiede liess, wie die Mitgliedstaaten sie anwendeten. NIS2 ist die Antwort der EU auf ein Jahrzehnt wachsender Angriffe auf die Dienste, von denen Wirtschaft und Gesellschaft abhängen.
Entscheidend zu verstehen ist, dass NIS2 eine Richtlinie ist, keine Verordnung und keine Zertifizierung. Es gibt kein "NIS2-Zertifikat" zu erwerben. Eine Richtlinie legt das von der EU gewünschte Ergebnis fest und überlässt es jedem Mitgliedstaat, das nationale Gesetz zu schreiben, das es liefert. In der Praxis erfüllen Sie also nicht NIS2 direkt, sondern die nationale Umsetzung Ihres Landes, in der die genauen Pflichten, Behörden und Sanktionen tatsächlich verankert sind.
NIS2 hebt die Messlatte gleich auf drei Wegen an: Sie zieht weit mehr Organisationen in den Anwendungsbereich, sie benennt die Sicherheitsmassnahmen, die sie ergreifen müssen, und sie macht die Geschäftsleitung dafür verantwortlich, ob diese Massnahmen geschehen. Die folgenden Abschnitte gehen jeden davon durch.
NIS2 im Vergleich zu NIS1
NIS1, die Richtlinie von 2016, galt für eine enge Gruppe von "Betreibern wesentlicher Dienste" und eine Handvoll digitaler Diensteanbieter, und die Mitgliedstaaten bestimmten die Einrichtungen einzeln — was zu sehr ungleicher Abdeckung in der EU führte. NIS2 räumt mit diesem Flickwerk auf: Sie definiert den Anwendungsbereich nach Sektor und Grösse, sodass das Erfasstsein nicht mehr davon abhängt, dass eine nationale Behörde Sie benennt, schärft die Sicherheits- und Meldepflichten und ergänzt echte Aufsicht und Durchsetzung. Wer bei NIS1 bequem aussen vor war, sollte das bei NIS2 nicht voraussetzen.